5. Bundierung

Die Bundierung/Neubundierung ist im Rockinger Workshop wirklich bestens beschrieben und ich werde das hier nicht alles wiederholen.
Am besten erstmal beim Rockinger gucken und dann hier weiterlesen:

www.rockinger.com

Wer kein vorgeschlitztes Griffbrett verwendet, muss nun erstmal penibelst genau die Position der Schlitze anzeichnen. Die Mensurmaße kann man ausrechnen, dafür gibts hier eine kleine Rechentabelle, sollte in jedes Tabellenkalkulationsprogramm importierbar sein.

Nach dem Radienschliff sind die Bundschlitze meistens nicht mehr tief genug und man muss sie nachsägen. Dazu braucht man ein Feinsäge mit einer definierten Sägeschlitzbreite von 0.6 mm. Im Baumarkt suchen lohnt nicht, besser bei www.dick.biz (Die Handiwork 135 ist recht günstig. japanische Werkzeuge sind übrigens durchweg Spitze - wer an sowas Spaß hat wird bei Dick einiges finden). Nun möchte man die Schlitze ja auch nicht ZU tief sägen, weil das A: Blöd aussieht, B: die Festigkeit des Halses insgesamt etwas beeinträchtigt, C: die Lichtleiter, die man da mühsam reingeferkelt hat durchtrennt.

Folgendes Vorgehen: Die Bunddrähte, die ich habe, brauchen 1,5 mm Schlitztiefe - ich spendiere ihnen 2 mm. Die zeichne ich auf einem dünnen Karton an und überprüfe regelmäßig die Schlitztiefe bevor ich weitersäge. Das Griffbrett ist gewölbt, also nicht nur in der Mitte nachmessen!

Ich kann nur empfehlen vorgebogenen Bunddraht zu kaufen, auch wenn er ein wenig teurer ist als die Meterware. Er legt sich sozusagen selbstzentrierend in den Bundschlitz:

Man braucht jetzt so einen kleinen "Ausbeulhammer" (weiß nicht wie der offiziell heisst) und schlägt den Bund mit der Hartplastikseite (nicht mit dem Gummi!) erst an den beiden Außenseiten ein und dann von innen nach außen. Hier werden häufig rückstoßfreie Hämmer mit Bleikugelfüllung empfohlen, die schaden wohl auch nichts, ich bin aber mit dem Primitivlteil sehr zufrieden und merke nichts von Rückfederung. Der Hals wird an den Stellen an denen man gerade raufkloppt natürlich von unten unterstützt.

Diese Geschichten mit dem Einpressen der Bünde sind nix: Du brauchst zumindest ein Formstück für die Bunddrahtaufnahme - kostet Geld - und Du versaust viel leichter was als wenn Du mit dem Hammer arbeitest. Ich habe mit dem Improvisationsvorschlag von Rockinger schon mal einen Bohrständer zu Bruch gebracht (OK, es war wohl nicht der Beste, aber Sinn der Sache ist das ja nun nicht). Auch wenn man Manschetten hat, wenn man das erste Mal auf sein mühsam gefertigtes Griffbrett raufdengelt: Es funktioniert, geht schnell, easy und sicher. Nach dem zweiten Bunddraht denkst Du, Du hättest nie was anderes gemacht. Hau rein!

Beim Abschneiden der überstehenden Bundstücke und beim Feilen der Kanten Handschuhe zu tragen ist sicher nicht die schlechteste Idee.

Was bei der Bundierung noch zu beachten wäre: Die Bundfeile (die zum Leveln, nicht die Radienfeile) ist NICHT durch irgend eine andere in der Werkstatt schon vorhandene Feile zu ersetzen, die sind nicht plan genug. Dieses Teil wird bei einer Neubundierung hauptsächlich dazu eingesetzt die Bundstäbe an den Enden zu bearbeiten - also der Griffbrettkante anzugleichen und die Schrägung zu feilen. Zur eigentlichen Nivellierung der Bünde, also der Bundoberkanten darf man sie nur ganz vorsichtig einsetzen, am Besten nur mit ihrem Eigengewicht! Wenn man bis hierhin gut gearbeitet hat, gibt es nämlich nicht viel zu auszugleichen und alles, was man unnützerweise auf den Bunddrähten planschrabbelt muss man später wieder verrunden. Ich verwende lieber ein planes Aluprofil, das ich mit 600er Schleifpapier beklebt habe (und das hat schon 5 Griffbretter hinter sich und geht immer noch - es gibt hier also wirklich nicht allzuviel zu schleifen).

Bei einem Fretjob an einer gebrauchten Gitarre mit runtergespielten Bünden sieht das allerdings anders aus.

Wenn nun ein Bunddraht bei der Nivellierung zu sehr abgeflacht werden musste, geht man am besten so vor (der Draht, den ich hier zeige hätte es eigentlich noch nicht nötig - aber um mal zu zeigen wie's geht):
Das ist eine Bundverrundungsfeile, die gibt in in verschiedenen Größen, oder wie hier mit austauschbaren Einsätzen. daneben der zu behandelnde Bund.

Um zu überhaupt sehen zu können was man bearbeitet wird die Bundoberseite wird mit einem Edding eingefärbt - und dann wird der Radius raufgefeilt bis nur noch ein schmaler Strich zu sehen ist - Bingo!

Sehr viele Industriegitarren werden serienmäßig mit so einer abgeflachten Bundoberfläche geliefert. Das ist natürlich keine optimale Saitenauflage sondern es schnäselt ein wenig rum - eine Mini-Sitar sozusagen. Bei Akustikgitarren kommt das häufig gut, aber Elektrische kann man durch so eine Bundoptimierung wirklich aufwerten: der Cleanton wird sauberer und der Zerrton wird definierter.

Nach dieser Behandlung werden die Bunddrähte nochmal feinst poliert, damit beim Saitenziehen nichts raspelt. Am einfachsten geht das mit einer intensiven Massur mit "00" Drahtwolle und einer Feinmassage mit "000" Drahtwolle.

GANZ WICHTIG!: Wenn schon Pickups montiert sind: Die Arbeit mit Stahlwolle produziert eine Oktrillion von kleinen Stahlwollefäserchen von denen die Mehrheit in Deinen Pickups sesshaft wird und kaum noch zum Umzug zu bewegen ist. Pickups sind vor solchen Arbeiten penibelst abzukleben.

 

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