9. Halsmontage, Sattel
Der Hals kommt ran:
Wenn das Ding erst mal eingeleimt ist, ist nichts mehr zu verändern. Also montiere ich den Hals nochmals provisorisch um den Halswinkel zu kontrollieren. Ich lege ein langes Metalllineal auf den Hals und messe den Abstand zum Korpus an der Stegposition (sorry, ohne Foto). Demnach müsste die Saitenauflage am Steg (e-Saite) etwa 20 mm über dem Deckenniveau sein, das ist im grünen Bereich - eine Korrkektur am Halsfuß ist nicht notwendig.
Das Ding wird nun mit Leim eingesetzt - in den Außenbereichen nicht zu üppig, denn leimbesudelte Flächen nehmen später kein Öl mehr an und bilden helle Flecken.
Aufsatteln:
Der Sattel ist ein kleines unscheinbares Teil, dass viel Kopfzerbrechen hervorrufen kann. Die möglichen Materialien zu diskutieren ist eine eigene Website wert. Ich habe in diesem Fall einen vorgekerbten (ja, ich weiß, ich bin faul) Sattel aus "Graphit" genommen (es gibt da einige Begriffsverwirrungen im angelsächsischen Sprachbereich: "Graphit" ist das Zeugs aus dem Bleistiftminen sind - auch schwarz, aber ziemlich bröselig. "Carbon", das ist hier gemeint, ist ein kohlefaserverstärkter Kunststoff, leicht und fest).
Was was ich hier in den Händen habe ist jedenfalls nicht bröselig, sondern recht formstabil und soll ja angeblich die Saiten gleiten lassen. Der vorgekerbte Sattel (hier 44 mm breit) gibt einem den Saitenabstand vor, aber die optimale Schlitztiefe muss man auch in diesem Fall schaffen.
Dazu benötigt man: einen Satz Sattelsägen oder -Feilen 600er Schleifpapier und eine Dicktenlehre:

Diese kleine bunte Knabbermischung in dem Tütchen sind Feilen, die Zahnärzte bei Wurzelbehandlungen einsetzen. Das ist Einmalmaterial d.h. nachdem sie damit im Patienten rumgestochert haben schmeißen sie sie weg. Beim nächsten Zahnarztbesuch nach einigen gebrauchten Exemplaren fragen: uns interessiert alles über 0.3mm Durchmesser.
Das Sattelfeilen ist ein wenig heikel, den wenn man auch nur ein wenig zu tief gearbeitet hat, gibt's nix mehr zu reparieren. Hier kommt die Dicktenlehre zum Einsatz: Die Schlitze im Sattel dürfen nicht höher als die Bunddrahtstärke sein. Wir stellen die Dickte auf das Maß der offiziellen Bundstäbchenhöhe ein (hier 1,1 mm). Die Dicktenlehre wird auf diesen Wert eingestellt und vor den Steg gelegt:

Dann wird gesägt/gefeilt bis man auf Metall stößt und zwar zur Kopfplatte hin abfallend, damit die griffbrettseitige Kante des Stegs auch wirklich den höchsten Auflagepunkt bildet. Danach werden die Kerben mit einem Stückchen gefalteten 600er Schleifpapier geglättet, in den beiden schmalsten Schlitzen kommen die Dentalfeilen zum Einsatz.